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Macht ist in weiten Bereichen der Praxis ein Tabuthema, während die Medien gerne und häufig darüber berichten bzw. spekulieren. Auch die empirische Forschung beschäftigt sich nicht sehr intensiv mit diesem zentralen Thema menschlichen Zusammenlebens. In neuerer Zeit gibt es jedoch zunehmend sozialpsychologische Experimente zu den Wirkungen eines hohen versus geringen Machtpotenzials. Prof. Dr. Wolfgang Scholl beleuchtet die Forschungen zum "Janus-Gesicht der Macht", d. h. zur unterschiedlichen Nutzung von Machtpotenzialen, entweder als Machtausübung (eine intendierte Einwirkung auf andere gegen deren Interessen) oder als Einflussnahme (eine intendierte Einwirkung auf andere im Einklang mit deren Interessen). Bei den Betroffenen führt Machtausübung im Unterschied zu Einflussnahme zu Reaktanz oder erlernter Hilflosigkeit und damit zu überwiegend negativen Gefühlen und Motivationsverlust. Die Beziehungen verschlechtern sich, und in der Zusammenarbeit führt Machtausübung zu geringerem Wissenszuwachs, tendenziell zu geringerer Handlungsfähigkeit und damit zu geringerer Effektivität. Dabei lernen vor allem die Machtausübenden selbst am wenigsten, so dass auf längere Sicht die Ausübung starker Macht mit Realitätsverlust einhergeht, ein Kernproblem aller Gruppen, Organisationen und politischer Systeme.
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